Statusseminar am BfR zu Kontaktmaterialien in der Nahrungskette

(23.07.2011) Materialien, die mit Lebensmitteln in Kontakt kommen, müssen spezielle gesetzliche Sicherheitsanforderungen erfüllen. Es dürfen aus ihnen keine Stoffe in das Lebensmittel übergehen, die die Gesundheit der Verbraucherinnen und Verbraucher schädigen können.

Für Materialien, die mit Futtermitteln in Kontakt kommen, gibt es solche speziellen Regelungen nicht.

In dem Statusseminar „Kontaktmaterialien in der Nahrungskette“ stellten sich rund 50 Expertinnen und Experten aus Universitäten, Forschungseinrichtungen, Verbänden, Industrie, Bundes- und Landesbehörden im Juli am Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Berlin die Frage, ob durch Stoffe, die bei der Produktion, Lagerung und Verarbeitung von Futtermitteln in das Futtermittel übergehen können, von dort auf das Tier und nicht zuletzt durch den Verzehr tierischer Produkte auch auf den Menschen, ein Risiko besteht.

„Wir müssen prüfen, ob es erforderlich und möglich ist, Regelungen aus dem Lebensmittelbereich auf Futtermittel zu übertragen“, sagt BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel.

Das Statusseminar am BfR hatte das Ziel, Erkenntnisse zu einem möglichen Übergang von Stoffen aus Kontaktmaterialien in Lebens- und Futtermitteln entlang der Nahrungskette zu gewinnen.

Während es für Lebensmittel, außer dem gesetzlichen Gebot der Lebensmittelsicherheit, in vielen Bereichen detaillierte Regelungen zum Übergang von Stoffen aus Kontaktmaterialien gibt, z.B. Weichmacher und Mineralöle, gelten für Futtermittel derartige Detailregelungen nicht.

Während der Produktion, Verarbeitung und Lagerung kommen Lebens- und Futtermittel jedoch mit einer Vielzahl an Materialien in Berührung. So wird das Getreide auf dem Feld mit dem Mähdrescher geerntet. Dabei kann es zu einem Abrieb von Metall- oder Kunststoffpartikeln sowie Farbbestandteilen kommen.

Bei der Lagerung in Silos ist es denkbar, dass Stoffe aus den Silowänden in das Getreide übergehen. Bei der Futtermittelverarbeitung z.B. in Mischfutterwerken können über metallischen Abrieb Stoffe in das Futtermittel gelangen. Werden dem Futtermittel aus Konservierungsgründen Zusatzstoffe zugesetzt, könnten diese bewirken, dass sich aus der Verpackung Stoffe lösen und in das Futtermittel übergehen.

Tiere, die zur Gewinnung von Lebensmitteln gehalten werden, nehmen möglicherweise über Materialien in ihrer Lebensumgebung unerwünschte Stoffe auf. Materialien, die für Stalleinrichtungen genutzt werden, werden häufig von den Tieren „bearbeitet“, so dass bestimmte Stoffe von den Tieren aufgenommen werden können.

Aus Tierschutzgründen wird den Tieren häufig Beschäftigungsmaterial aus Metall oder Kunststoff angeboten. Auch aus diesen Gegenständen können die Tiere Stoffe aufnehmen. Es stellt sich nicht nur die Frage der gesundheitlichen Auswirkungen auf das Tier, sondern auch der Anreicherung im Lebensmittel tierischen Ursprungs.

Im Verlauf des Statusseminars wurden Stoffe identifiziert, die für einen Eintrag aus Kontaktmaterialien in die Nahrungskette von Bedeutung sein könnten, aber auch Bereiche ermittelt, die kaum Eintrittswege bieten. Erste Angaben über Standzeiten von technischen Einrichtungen zur Lebens- und Futtermittelbe- und -verarbeitung (Verschleiß, Abrieb) wurden aufgezeigt, und werden im Nachgang der Veranstaltung weiter verfolgt.

Bei Futtermittelverpackungen werden offenbar bereits die Regelungen aus dem Lebensmittelbereich angewandt. Spezielle Fragestellungen im Nachgang der Veranstaltung wie auch offene Themen für weitere Veranstaltungen, z.B. Kontakt von Lebensmitteln und Futtermitteln mit Materialien bei Lagerung und Transport, Bilanzierung von Stoffen bei der Lebensmittel- und Futtermittelherstellung, Übertragbarkeit von Modellen zur Berechnung des Stoffübergangs aus Kontaktmaterialien von Lebensmitteln auf Futtermittel, Betrachtung des Beschäftigungsmaterials als Konkurrenzprodukt zur Stalleinrichtung (z.B. Futtertrog, Tränke) sowie Eintrag von bioziden Wirkstoffen über Kontaktmaterialien, die mit Biozid-Produkten (z.B. Desinfektionsmitteln) behandelt wurden, wurden erörtert.

Konzepte für die Abschätzung des Eintrags von Bioziden über Kontaktmaterialien werden derzeit auf EU-Ebene im Rahmen von Leitfäden erarbeitet.




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