Erste bundesweite Kennzahlen zur Therapiehäufigkeit bei Masttieren veröffentlicht

(31.03.2015) Neues Instrument zur betrieblichen Reduzierung des Einsatzes von Antibiotika

Landwirtschaftliche Betriebe, die Masttiere halten, müssen ihre individuellen Kennzahlen zur Therapiehäufigkeit mit Antibiotika mit den bundesweiten Therapiehäufigkeitszahlen vergleichen.

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat am 31.03.2015 erstmals im Bundesanzeiger diese bundesweiten Kennzahlen zur Therapiehäufigkeit für Rinder, Schweine, Hühner und Puten veröffentlichen.

Betriebe, deren betriebsindividuelle Kennzahl einen Wert überschreitet, unter dem 75 Prozent aller erfassten halbjährlichen betrieblichen Therapiehäufigkeiten liegen, müssen Maßnahmen zur Reduzierung ihres Antibiotikaeinsatzes ergreifen.

Gemäß Arzneimittelgesetz müssen Tierhalter ab einer bestimmten Bestandsgröße seit dem vergangenen Jahr halbjährlich die Bezeichnung der angewendeten Antibiotika, die Anzahl und Art der gehaltenen und behandelten Masttiere, die Anzahl der Behandlungstage sowie die insgesamt angewendete Menge von Antibiotika ihrer zuständigen Überwachungsbehörde melden. Die Meldung erfolgt an das Herkunftssicherungs- und Informationssystem für Tiere (www.hi-tier.de).

Aus den Meldungen wird mittels der Formel „Anzahl behandelter Tiere multipliziert mit der Anzahl Behandlungstage dividiert durch die durchschnittliche Anzahl gehaltener Tiere pro Halbjahr‘“ für jeden Betrieb und jede Nutzungsart gemäß Arzneimittelgesetz der betriebsindividuelle halbjährliche Therapiehäufigkeitsindex ermittelt.

Das BVL veröffentlicht halbjährlich im Bundesanzeiger für jede Nutzungsart (Mastkälber, Mastrinder, Ferkel, Mastschweine, Masthühner und Mastputen) als Kennzahl 1 den Median (Wert, unter dem 50 Prozent aller erfassten Therapiehäufigkeiten liegen) und als Kennzahl 2 das dritte Quartil (Wert, unter dem 75 Prozent aller erfassten Therapiehäufigkeiten liegen).

Aufgrund des § 58 d des Arzneimittelgesetzes ist der Tierhalter verpflichtet, seine betriebsindividuelle Kennzahl, die ihm von seiner Überwachungsbehörde mitgeteilt wurde, mit den jeweiligen bundesweiten Kennzahlen zu vergleichen.

Liegt der Betrieb über dem Median aller Betriebe (also über Kennzahl 1), muss der Tierhalter zusammen mit seinem Tierarzt die Ursachen dafür ermitteln und ggf. Maßnahmen ergreifen, die zur Reduzierung der Antibiotikaverwendung führen.

Sofern der Betrieb mit seiner betriebsindividuellen Kennzahl über dem dritten Quartil (der Kennzahl 2) liegt, muss der Tierhalter innerhalb von vier Monaten nach Veröffentlichung der bundesweiten Kennzahlen zu den Therapiehäufigkeiten im Bundesanzeiger einen schriftlichen Maßnahmenplan zur Senkung des Antibiotikaeinsatzes erarbeiten und diesen der zuständigen Überwachungsbehörde vorlegen.

Die Behörde prüft den Plan und kann ggf. Änderungen anordnen und weitere Maßnahmen zur Verbesserung der Hygiene, der Gesundheitsvorsorge oder der Haltungsbedingungen verlangen. Im Extremfall kann sogar das Ruhen der Tierhaltung angeordnet werden.

Die Kennzahlen ermöglichen keine Aussage über die durchschnittliche Anzahl der Behandlungstage pro Tier je Halbjahr und sind auch nicht geeignet, einen Vergleich der Anwendungshäufigkeiten zwischen den einzelnen Tier- und Nutzungsarten zu beschreiben.




Artikel kommentieren

Weitere Meldungen

Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL)

Menge der abgegebenen Antibiotika in der Tiermedizin sinkt 2017 weiter

Zugleich erneut moderater Anstieg der Abgabemengen für Antibiotika mit besonderer Bedeutung für die Therapie beim Menschen
Weiterlesen

Prof. Dr. Axel Brakhage, Sprecher von InfectControl 2020; Bildquelle: Anna Schroll/HKI

Unternehmen stoppen Antibiotika-Entwicklung – Akademische Forschung sucht nach Lösungen

Während sich multiresistente Keime zunehmend verbreiten, ziehen sich mehr und mehr Pharmakonzerne aus der Antibiotika-Forschung zurück. Jüngstes Beispiel ist Novarti
Weiterlesen

VetMAB

VetMAB - Antibiotika-Minimierung im Stall: Modul Legehennen ist verfügbar

Endlich ist das dritte Geflügel-Modul im Rahmen des geförderten Antibiotika-Minimierungsportals VetMAB für Tierärztinnen und Tierärzte als kostenfreie Online-Fortbildung verfügbar
Weiterlesen

bpt

bpt-Fachforum 2018: Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung

Am 6. März hatte der bpt erstmalig zum Fachforum „Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung“ in die Bayerische Landesvertretung nach Berlin eingeladen
Weiterlesen

VetMAB

Umfragen zum Thema Antibiotika-Minimierung im Stall und Maßnahmenplänen   

Im Rahmen von VetMAB werden zur Erweiterung des Fortbildungsangebotes für Landwirte und im öffentlichen Dienst beschäftigten Tierärzten Online-Umfragen zur Bedarfsermittlung durchgeführt
Weiterlesen

VetMAB

Umfrage zur Bedarfsermittlung bei der Erstellung der Maßnahmenpläne zur Antibiotikaminimierung

Im Rahmen von VetMAB werden zur Erweiterung des Fortbildungsangebotes für Landwirte und im öffentlichen Dienst beschäftigten Tierärzten Online-Umfragen zur Bedarfsermittlung durchgeführt
Weiterlesen

VetMAB

VetMAB-Antibiotikaminimierung im Stall – Neues Modul ist gestartet

Nun endlich ist im Oktober 2017 das lange erwartete Modul Masthähnchen bei VetMAB, dem Internetportal für einen reduzierten Einsatz von Antibiotika bei Nutztieren, live gegangen
Weiterlesen

Magazin

Firmennews

Neuerscheinungen