Erster Nachweis des Hundeherzwurms Dirofilaria immitis in deutschen Stechmücken

(19.09.2013) Wissenschaftler des Friedrich-Loeffler-Instituts, Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit (FLI), Greifswald – Insel Riems, und des Leibniz-Zentrums für Agrarlandschaftsforschung (ZALF), Müncheberg, wiesen in einheimischen Stechmücken die Larven mehrerer Mücken-übertragener Fadenwurmarten nach, darunter erstmals den im Mittelmeerraum weit verbreiteten Hundeparasiten Dirofilaria immitis (Herzwurm). Dieser kann zu schweren Beeinträchtigungen von Herz und Lunge bei infizierten Tieren führen.

Der Nachweis von D. immitis gelang gleich zweimal, in Stechmücken aus Baden-Württemberg (Breisgau) und Brandenburg (Havelland). Wie der Erreger nach Deutschland gelangte, konnte nicht festgestellt werden.

Während der Nachweis aus Süddeutschland durch eine Einschleppung der infizierten Mücke(n) über den Kraftfahrzeugverkehr aus betroffenen Gebieten Südeuropas erfolgt sein könnte, geht der Fund in Brandenburg mit hoher Wahrscheinlichkeit auf eine lokal erfolgte Infektion der Mücke(n) zurück.

Als mögliche Infektionsquelle kommen Hunde in Frage, die aus dem Mittelmeerraum importiert wurden oder den Parasiten von einer Reise ans Mittelmeer mitgebracht haben. Belegt sind diese Vermutungen bisher allerdings nicht.

Die durch die Mücken übertragenen Wurmlarven werden im Wirbeltierwirt geschlechtsreif und geben ihrerseits Larven ins Blut ab, die von Stechmücken beim Saugakt aufgenommen werden können. Im Wirt wandern die ausgewachsenen Fadenwürmer in die Lungenarterien und die rechten Herzkammern ein.

In Abhängigkeit von der Infektionsdosis kann es so zu massiven Lungen- und Herzkomplikationen kommen. Infektionen des Hundes mit D. immitis sind in Deutschland bisher nicht bekannt geworden.

Außerdem fanden die Wissenschaftler bei Mücken aus dem nördlichen Oberrheingebiet den Fadenwurm Dirofilaria repens. Erste Hinweise auf das Auftreten dieses Parasiten in Deutschland gab es bereits 2004 und 2007.

Auch für D. repens sind Hunde und verwandte Arten (Füchse, Marder etc.) die primären Wirte. Dirofilaria repens verursacht entzündliche Veränderungen der Haut, manchmal auch der inneren Organe, die den Wirt in einen schlechten Allgemeinzustand versetzen können, aber i.d.R. nicht lebensbedrohlich sind.

Der Mensch ist für beide Parasitenarten ein Fehlwirt, in dem die Entwicklung noch vor Erreichen des Reproduktionsalters stoppt. Eine Infektion des Menschen verläuft häufig symptomlos, kann aber zur Bildung von Knötchen im Unterhautbindegewebe, gelegentlich auch in der Lunge und der Augenbindehaut führen, in denen die Parasiten vom Immunsystem eingekapselt werden. Selten treten bei Dirofilaria-Infektionen Hirnhautentzündungen auf.

Dirofilarien breiten sich bereits seit längerer Zeit aus dem Mittelmeerraum allmählich nach Norden aus. Als Ursache hierfür werden Klimaveränderungen und der rege internationale Hundehandel diskutiert. Während lokale Fälle einer D. repens-Infektion zunehmend auch in Mittel- und Osteuropa auftreten, wurden dort bisher nur eingetragene D. immitis-Infektionen beobachtet.

Die Untersuchungen zu Erregern in Stechmücken finden im Rahmen des nationalen Stechmücken-Monitorings statt, welches das FLI und das ZALF seit 2011 in enger Kooperation durchführen.




Artikel kommentieren

Weitere Meldungen

Asiatische Tigermücke; Bildquelle: H. Kampen, FLI

Mückenatlas bittet um Zusendungen: Busch- und Tigermücke in mehreren Bundesländern aktiv

Die aktuelle Wetterlage mit starken Niederschlägen und sommerlichen Temperaturen bietet ideale Fortpflanzungsmöglichkeiten für Stechmücken
Weiterlesen

Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft

Stechmücken-Forschung zum Schutz vor gefährlichen Infektionskrankheiten

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft fördert die Stechmücken-Forschung mit 2,2 Millionen Euro
Weiterlesen

Mückenatlas

Neue Saison für den Mückenatlas: Stechmückenbeobachtung in Deutschland geht weiter

Das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) in Müncheberg und das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI), Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, auf der Insel Riems bei Greifswald, setzen den seit 2012 erfolgreich laufenden „Mückenatlas“ fort
Weiterlesen

Mückenatlas

Bitte um Mithilfe: Forscher erstellen Mückenatlas

Welche Mückenarten kommen wann und wo in Deutschland vor? Dieser Frage gehen Wissenschaftler des Friedrich-Loeffler-Instituts, Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit (FLI), und des Leibniz-Zentrums für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e.V. nach
Weiterlesen

Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin

Exotische Stechmücken und tropische Viren in Deutschland auf dem Vormarsch

Eine neue Stechmückenart und gleich drei von Stechmücken-übertragene Viren werden eine neu angelegte Datenbank zur Erstellung einer Mückenkarte für Deutschland ergänzen
Weiterlesen

[X]
Hinweis zur Nutzung von Cookies

Diese Website nutzt Cookies zur Bereitstellung von personalisierten Inhalten, Anzeigen, Inhalten von sozialen Medien und zur Analyse des Benutzerverhaltens. Die mit Hilfe von Cookies gewonnenen Daten werden von uns selbst sowie von uns beauftragten Partnern in den Bereichen soziale Medien, Online-Werbung und Website-Analyse genutzt. Durch den Besuch unserer Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen.

Mit der weiteren Nutzung dieser Website erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Mehr erfahren...