Heimtiere als Begleiter im Alter

(12.04.2016) Forum Heimtier setzt sich für bessere Rahmenbedingungen für Mensch-Tier-Begegnungen ein

Menschen im höheren Lebensalter können sozial und gesundheitlich vom Kontakt mit Heimtieren profitieren, darin waren sich die Teilnehmer der jüngsten Sitzung des Forum Heimtier einig.

Um die Haltung und Besuche von Tieren zu Hause und in Pflegeeinrichtungen zu fördern, sollte die wissenschaftliche und praktische Arbeit im Bereich tiergestützter Interventionen gesellschaftlich und finanziell stärker anerkannt und weiter professionalisiert werden.


Christina Jantz-Herrmann (SPD), Prof. Dr. Krista Mertens (Humboldt-Universität zu Berlin), Cornelia Drees (Fachkraft für tiergestützte Intervention) und Kristina Richter (Initiative Zukunft Heimtier) (v. l. n. r.) diskutierten mit Gästen des Forum Heimtier, wie Kontakte zwischen älteren Menschen und Heimtieren gefördert werden können

Sie leisten Gesellschaft, bringen Abwechslung in den Alltag und vermitteln das Gefühl, gebraucht zu werden: Hunde, Katzen, Vögel oder Nagetiere sind wichtige Begleiter von Menschen im höheren Alter und können positiv auf das psychische und physische Wohlbefinden wirken.

„Heimtiere regen ältere Menschen zu mehr Bewegung und Aktivität an. Ich erlebe es selbst immer wieder, wie Seniorinnen und Senioren aufblühen, wenn sie ein Kaninchen auf dem Schoß haben oder mit ihrem Hund spazieren gehen“, sagte Christina Jantz-Herrmann, Tierschutzbeauftragte der SPD-Bundestagsfraktion und Schirmherrin des Forum Heimtier.

„Sie zaubern ein Lachen ins Gesicht und sind ein echter Gewinn an Lebensqualität.“

Wissenschaftlich belegt werden diese Alltagserfahrungen durch Studien zum gesundheitlichen Nutzen von Heimtieren, zum Beispiel als Prävention gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Übergewicht oder Depressionen. Betreuungs-, Pflege- und Therapieangebote in Alteneinrichtungen oder im Privathaushalt werden zunehmend von Tieren unterstützt.

Das Arbeiten mit Tieren setzt Fachwissen zu Mensch-Tier-Beziehungen und den psychologischen Prozessen des Alterns voraus, bemerkte Prof. Dr. Krista Mertens, die auf dem Gebiet „Snoezelen“ forscht und Zusatzqualifikationen anbietet.

„Beim ‚Snoezelen‘ in speziell eingerichteten ‚Wohlfühlräumen‘ kann der Kontakt mit Tieren besondere Reize setzen, die positive Emotionen und Empfindungen auslösen sowie Wissen und Verständnis vermitteln.“

In Alteneinrichtungen ist die Haltung der Tiere jedoch abhängig von der Leitung und dem Personal. „Es gibt mittlerweile Pflegeheime, wo Katzen oder Hunde selbstverständlich sind. Argumente wie Hygiene sind oft nur vorgeschobene Gründe, Heimtiere als Mitbewohner oder im Rahmen von Besuchsdiensten nicht zuzulassen“, kommentierte Elisabeth Scharfenberg, alten- und pflegepolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen.

Der Umgang mit Tieren könne heilsam wirken, betonte Scharfenberg. „Tiergestützte Therapien beispielsweise sollten noch weit vor der Medikamentengabe gerade bei an Demenz Erkrankten erprobt werden.“

Um Vorurteilen über tiergestützte Interventionen entgegenzuwirken, müssen Qualitätsstandards von Praktizierenden bekannter werden, forderte Diplom-Biologin Cornelia Drees, die Mensch-Tier-Begegnungen unter anderem in Alteneinrichtungen und auf ihrem Hof der Stiftung Bündnis Mensch & Tier ermöglicht.

„Anbieter von tiergestützten Interventionen sollten eine qualifizierte Ausbildung haben und möglichst Berufsverbänden angehören“, so Drees weiter. Zur stärkeren Professionalisierung würde auch eine bessere finanzielle Unterstützung, beispielsweise vonseiten der Krankenkassen, für tiergestützte Projekte und Menschen mit Förderbedarf beitragen, hieß es aus dem Plenum.

Vergessen werden darf dabei jedoch nicht das Tierwohl, wie die Gäste des Forum Heimtier hervorhoben. „Auch die Tiere müssen ihren Einsatz bei älteren Menschen genießen“, unterstrich Drees. „Das ist die Grundvoraussetzung für jede tiergestützte Intervention.“




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