Experte für flächendeckende Erfassung von Antibiotika-Verordnung durch Tierärzte

(04.02.2012) Nach dem Fund Antibiotika-resistenter Bakterien in Geflügelfleisch unterstützt der Experte für Lebensmittelhygiene, Prof. Dr. Karsten Fehlhaber, die Forderung nach einer flächendeckenden Erfassung der von Tierärzten für lebensmittelliefernde Tiere verschriebenen Antibiotika.

„Ich warne vor einer ‚Angstmache‘, aber es gibt zur Verordnung von Antibiotika durch Tierärzte keine landesweite Untersuchung. Bisher registriert das nur jeder einzelne Tierarzt für sich“, sagte Fehlhaber, der früher Direktor des Instituts für Lebensmittelhygiene der Universität Leipzig war.

Die Untersuchung des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), bei der in elf von 20 untersuchten Fleischprodukten aus deutschen Supermärkten Antibiotika-resistente Krankheitskeime gefunden wurden, sei für ihn „beunruhigend, aber nicht grundsätzlich neu“.

„Das ist etwas, was ich in dem Ausmaß nicht erwartet hätte und das Schlussfolgerungen nach sich ziehen sollte. Welchen Beitrag die resistenten Keime im Geflügelfleisch im Vergleich mit anderen Ursachen zur Resistenzproblematik leisten, ist jedoch nicht klar“, betonte Prof. Fehlhaber.

Bislang gebe es zwar eine Empfehlung der Bundestierärztekammer an die Veterinärmediziner, die Antibiotika-Verordnung zu melden. Dies sei aber keine Pflicht. Daher sprach sich Fehlhaber dafür aus, eine solche Erfassung vorzuschreiben.

Nur auf diesem Weg könne die Antibiotika-Verordnung durch die Tiermediziner flächendeckend überblickt werden.

„Allerdings bin ich sicher, dass die Tierärzte in aller Regel sehr verantwortungsvoll mit Antibiotika umgehen und sich diesbezügliche Richtlinien der Bundestierärztekammer zu eigen machen“, sagte Prof. Fehlhaber.

Die Antibiotika, die Tieren verordnet werden, sollten ihm zufolge nicht die gleichen sein wie die für den Menschen. Ansonsten wachse die Gefahr, dass der Mensch zunehmend Resistenzen entwickle und bei einer Erkrankung Antibiotika nicht mehr wirkten. Tiere, die für den Verzehr vorgesehen sind, dürften laut Gesetz nur im Krankheitsfall und nicht prophylaktisch oder zur Unterstützung der Mastleistung mit Antibiotika behandelt werden.

„Bei der Schlachtung dürfen keine Rückstände in dem Fleisch sein“, erklärte der Experte. Resistenzen können nach seinen Worten von Keim zu Keim weitergegeben werden und sich rasch in der Lebensmittelkette verbreiten. Wenn mit Geflügelfleisch hygienisch umgegangen und es gut durchgegart werde, bestehe jedoch keine Gefahr.




Weitere Meldungen

Anstieg der Antibiotika-Verordnungen bei konstantem Anteil von Reserveantibiotika im Jahr 2022

Antibiotikaverbrauch in der Humanmedizin weiter unter dem Niveau vor der Pandemie

Nachdem die Zahl der Verordnungen von Antibiotika in den Jahren 2020 und 2021 rückläufig war, ist sie im Jahr 2022 wieder angestiegen
Weiterlesen

Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)

Antibiotika-Einsatz bei Masttieren: Tendenz weiter rückläufig

Gerade bei Tierarten, bei denen bisher besonders viel und häufig Antibiotika eingesetzt wurden, zeigt sich dabei eine erfreuliche Tendenz
Weiterlesen

Abgabemengen von Antibiotika; Bildquelle: Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit

Abgabemengen von Antibiotika in Tiermedizin gehen weiter zurück

Weiterer Rückgang auch bei Fluorchinolonen, Cephalosporinen der 3. und 4. Generation sowie bei Polypeptidantibiotika
Weiterlesen

VetMAB

Sonderaktion für „Vetis“ auf Myvetlearn.de – Kurse zur Antibiotikaminimierung kostenfrei

Ansteigenden Resistenzen gegen antimikrobielle Wirkstoffe sind eine ernsthafte und auch lebensbedrohliche Gefahr für Mensch und Tier
Weiterlesen

Bundesverband Praktizierender Tierärzte (bpt)

Tierärzteverband fordert Ablehnung des Änderungsantrags der Ampel-Koalition

Am 1. Dezember entscheidet der Deutsche Bundestag über die erste Novelle des Tierarzneimittelgesetzes. bpt-Präsident Dr. Siegfried Moder hat unmittelbar vor der Abstimmung noch einmal mit einem Schreiben bei der FDP-Bundestagsfraktion dafür geworben
Weiterlesen

Bundesverband Praktizierender Tierärzte (bpt)

Tierärzte verabschieden Resolution: "Politische Ideologie untergräbt Tierarzneimittelgesetznovelle"

Die Delegiertenversammlung des bpt hat einstimmig eine Resolution gegen einen kurzfristig vorgelegten Änderungsantrag für ein Gesetz zur Änderung des Tierarzneimittelgesetzes verabschiedet
Weiterlesen

Antibiotika-Abgabemengen 2011 und 2021; Bildquelle: Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit

Deutlich geringere Abgabemengen von Antibiotika in der Tiermedizin

Mengen für Fluorchinolone, Cephalosporine der 3. und 4. Generation, Makrolide und Polypeptidantibiotika auf niedrigstem Wert seit 2011
Weiterlesen

Bundesverband Praktizierender Tierärzte

Europäisches Parlament erteilt Antibiotika-Ideologen erneute Absage

In seiner Sitzung am 23. Mai 2022 hat das Europäische Parlament (EP) den Einwand des Umwelt- und Gesundheitsausschusses (ENVI) gegen den Durchführungsrechtsakt über gelistete antimikrobielle Mittel abgelehnt
Weiterlesen

Magazin

Firmennews

Neuerscheinungen