Rheinland-Pfalz zeichnet künstliches Darmmodell mit dem Tierschutz-Forschungspreis aus

(07.07.2011) Umweltministerin Ulrike Höfken verlieh am 30.6.2011 der Forschergruppe Dr. Eva-Maria Collnot, Fransisca Leonard und Professor Dr. Claus-Michael Lehr vom Institut für Biopharmazie und Pharmazeutische Industrie der Universität des Saarlandes (Saarbrücken) den Preis der Landesregierung zur Erforschung von Ersatz- und Ergänzungsmethoden von Tierversuchen.


Die Preisträger (von links): Dr. Eva-Maria Collnot, Fransisca Leonard, Prof. Dr. Claus-Michael Lehr
Für den Bundesverband Menschen für Tierrechte, deren stellvertretende Vorsitzende Dr. Christiane Baumgartl-Simons die Preisträger in einer Laudatio würdigt, trägt diese Preisverleihung erheblich zur gesellschaftspolitischen Aufwertung von tierversuchsfreien Methoden bei.

Das saarländische Forscherteam erhält diese Auszeichnung für seine Entwicklung eines dreidimensionalen Ko-Kulturmodells zur Simulation entzündlicher Darmerkrankungen (z.B. Morbus Crohn, Colitis ulcerosa). Den Wissenschaftlern ist es gelungen, mit drei verschiedenen Zelltypen des Menschen (Enterozyten, Makrophagen und dendritischen Zellen) die Darmschleimhaut im Labor nachzubauen.

Durch Zugabe eines entzündungsauslösenden Stoffes konnten in dieser künstlichen Darmschleimhaut die gleichen Reaktionen wie bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen des Menschen ausgelöst werden. Das Modell der entzündeten Darmschleimhaut kann insbesondere für die Entwicklung und Testung von Darmtherapeutika eingesetzt werden.

Aber auch entzündliche Vorgänge, die sich zwischen den drei Zelltypen abspielen, können genau untersucht werden. An dieser Ko-Kultur wurde bereits die entzündungshemmende Wirkung eines Cortisons erfolgreich nachgewiesen.

„Die Preisträger haben dieses Darmentzündungsmodell nicht nur im Labor entwickelt, sondern sie kümmern sich ebenso zielstrebig darum, dass es auch in Industrie und Wissenschaft eingesetzt wird. Nur dann werden die sehr schmerzhaften Darmentzündungsexperimente an Mäusen und Ratten aufhören“, so Dr. Christiane Baumgartl-Simons.

Der mit 20.000 Euro dotierte Preis wird alle zwei Jahre ausgeschrieben und in diesem Jahr zum dritten Mal vergeben. Die rheinland-pfälzische Landesregierung hatte diese Auslobung eingerichtet, nachdem Bundesverband und Landesverband Menschen für Tierrechte im Jahr 2005 heftig gegen die Errichtung eines neuen Tierlabors für 30 Millionen Euro an der Uni Mainz protestiert hatten.

Der Bundesverband hat mit Professor Lehr ein Interview zu dem neuen Verfahren geführt. Dieses können Sie lesen unter: www.invitrojobs.de




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