Fragwürdige Zahlen zum Antibiotika-Einsatz in der Hähnchenmast

(09.02.2012) 96,4% - diese Zahl verbreitete das Umweltministerium NRW am 20. Januar 2012 in einer Pressemitteilung; so viele Hähnchen der untersuchten Mäster aus NRW sollen nach Angaben von NRW-Umweltminister Remmel mit Antibiotika behandelt werden oder worden sein.

Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung e.V. Hier ist Umweltminister Remmel und mit ihm viele andere, die diese Zahl seit ihrem ersten Auftauchen verbreitet haben, ohne sie zu hinterfragen, einem Irrtum aufgesessen.

Dieser Irrtum liegt darin, dass „Betriebe“ mit „Hähnchen“ verwechselt werden. Wahr ist vermutlich, dass nur 3,6% der Hähnchen in Betrieben aufgezogen werden, die grundsätzlich auf Antibiotika verzichten.

Es gibt aber viele Mastbetriebe, die einmal bei einem Mastdurchgang Antibiotika brauchten und beim nächsten Durchgang nicht. Alle Personen, die die Zahl 96,4% verbreitet haben, haben fälschlicherweise alle gemästeten Hähnchen dieser Betriebe als durch Antibiotika kontaminiert klassifiziert. Daher ist der Prozentsatz der mit Antibiotika behandelten Masthähnchen wahrscheinlich kleiner als 96,4%.

Eine genauere Betrachtung der dieser Zahl zugrunde liegenden Studie zeigt, dass bei 83% der untersuchten Mastdurchgänge mindestens eine Arzneimittelbehandlung vorgenommen wurde, während bei 17% der Durchgänge keine Behandlung stattfand.

Aber auch diese Zahl liefert keinen Hinweis, wie viele Hähnchen tatsächlich mit Arzneimitteln behandelt wurden, da sich die Anzahl der Hähnchen je Mastdurchgang stark unterscheidet.

Mehr Aufschluss liefert eine repräsentative Untersuchung des Niedersächsischen Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Landesentwicklung, die die tatsächliche Anzahl der behandelten Masthühner ausweist. Nach dieser Studie wurden 76% der Masthühnchen in Niedersachsen mit Antibiotika behandelt.





Weitere Meldungen

Bundestierärztekammer

BTK erfreut über Entscheidung des Europäischen Parlaments

Europäisches Parlament verhindert den Wegfall essenzieller Antibiotikaklassen für die Behandlung von Tieren
Weiterlesen

Tierärzteverband startet Unterschriftenkampagne gegen weitreichendes Antibiotikaverbot

Offener Brief von Siegfried Moder an Martin Häusling

Offener Brief von bpt-Präsident Dr. Siegfried Moder an MEP Martin Häusling zu seiner Pressemitteilung vom 10. September
Weiterlesen

Tierärzteverband startet Unterschriftenkampagne gegen weitreichendes Antibiotikaverbot

Drohendes EU-Antibiotikaverbot für Tiere: Tierärzteverband bittet Baerbock, Habeck, Laschet und Söder um Klarstellung

Das Europaparlament entscheidet im September, ob vier für die Human- und Tiermedizin gleichermaßen wichtige antibiotische Wirkstoffklassen für die Behandlung von Tieren verboten werden sollen
Weiterlesen

GGTM

Die GGTM fordert: Reserveantibiotika für Nutztiere einschränken - Naturheilverfahren stärker nutzen

Die Entstehung und Verbreitung von resistenten Bakterien ist ein weltweites schwerwiegendes Gesundheitsproblem.
Weiterlesen

Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e.V.

Antibiotika-Verbot versus Tierschutz: TVT fordert sinnvollere Maßnahmen, um Resistenzen und Tierhaltungsmängel zu beseitigen

Aktuell wird ein Antrag diskutiert, die von der Europäischen Arzneimittel Agentur (EMA)  und anderen wissenschaftlichen Institutionen vorgesehene Verordnung für Tierarzneimittel wesentlich zu verschärfen
Weiterlesen

Tierärzteverband startet Unterschriftenkampagne gegen weitreichendes Antibiotikaverbot

EU-Antibiotikadebatte: Auch Bundesparteien unterstützen wissenschaftlichen EMA-Vorschlag

Traditionell zur Bundestagswahl befragt der Bundesverband Praktizierender Tierärzte (bpt) die im Bundestag vertretenen Parteien zu aktuellen berufspolitischen tierärztlichen Themen
Weiterlesen

Tierärzteverband startet Unterschriftenkampagne gegen weitreichendes Antibiotikaverbot

Tierärzteverband startet Unterschriftenkampagne gegen weitreichendes Antibiotikaverbot

Mit einem Aufruf an seine Mitgliedspraxen startet der Bundesverband Praktizierender Tierärzte (bpt) eine Kampagne, um bis zum 8. September Unterschriften gegen das vom EU-Parlament geplante Antibiotikaverbot zu sammeln
Weiterlesen

Magazin

Firmennews

Neuerscheinungen