Abgabemengen von Tierarzneimitteln werden beim DIMDI zentral erfasst

(26.11.2011) Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) ermittelt Gesamtmengen von angewendeten Antibiotika für ganz Deutschland

Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information Ab 2011 muss die Industrie erfassen, welche Mengen an Tierarzneimitteln sie jährlich abgibt, die Antibiotika und bestimmte hormonelle Stoffe enthalten, und diese Daten bis März 2012 an ein zentrales Register melden. Das Register wird beim DIMDI geführt.

Die Daten sind ausschließlich für die auswertenden Behörden zugänglich. Das BVL in Berlin betreut das Verfahren inhaltlich.

Pharmazeutische Unternehmen und Großhändler sind mit dem Ablauf des Kalenderjahres 2011 aufgerufen, ihre jährlichen Verkaufszahlen regional aufgegliedert an das Register zu melden.

Neben Antibiotika werden weitere Stoffgruppen einbezogen, bei denen ein missbräuchlicher oder fahrlässiger Einsatz entgegen den rechtlichen Einschränkungen auf bestimmte Anwendungsgebiete vorstellbar ist.

Welche Stoffe und Tierarzneimittel von der Meldepflicht genau betroffen sind und wie die Meldung erfolgen soll, wurde im elektronischen Bundesanzeiger am 22.11.2010 veröffentlicht. Weitere Details sind zudem auf dem Portal für Arzneimittelinformationen des Bundes und der Länder unter PharmNet.Bund.de zu finden.

Durch die erfassten Daten und anderweitige Monitoring-Ergebnisse sollen weitergehende Erkenntnisse zur Antibiotikaresistenz-Entwicklung in der Tiermedizin, aber auch beim Menschen gewonnen werden. Resistenzen gegen Antibiotika verursachen zunehmend Probleme in der Humanmedizin und in der Tiermedizin.

Eine wechselseitige Übertragung von Bakterien ist prinzipiell denkbar. Resistente Bakterien können durch direkten Kontakt sowie über Lebensmittel tierischer Herkunft übertragen werden.

Moderne Reisemöglichkeiten und der Transport von Tieren und Lebensmitteln über Kontinente hinweg erlauben auch resistenten Bakterien, sich rasch auszubreiten. Die Entstehung von Resistenzen gegen Antibiotika zu beobachten und zu verstehen, wird daher für ihre Bekämpfung immer wichtiger.

Um Zusammenhänge der Resistenzentwicklung besser zu verstehen und effektivere Maßnahmen ergreifen zu können, sind Angaben zum Antibiotikaverbrauch, aufgeschlüsselt nach Einzelsubstanzen bzw. Wirkstoffklassen, zur Art ihrer Anwendung und zur Verbreitung von Resistenzen notwendig.

Diese Daten sollen repräsentativ und auf möglichst breiter Basis erhoben werden. Die EU hat aktuell begonnen, ein System zur Erfassung des Einsatzes von Antibiotika europaweit zu etablieren.

Vor diesem Hintergrund hat die Bundesregierung die Einführung des Tierarzneimittel-Abgabemengen-Registers beschlossen. Rechtliche Rahmenbedingungen wurden im § 47 Abs. 1c des Arzneimittelgesetzes und in der DIMDI-Arzneimittelverordnung geschaffen.

In Deutschland ist das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) für die Zulassung von Tierarzneimitteln zuständig.

Das BVL beurteilt die vom Antragsteller eingereichten Unterlagen, mit denen die Eigenschaften des neuen Arzneimittels nach bestimmten Kriterien nachgewiesen werden müssen, die im Arzneimittelgesetz (AMG) festgelegt sind.

Um die Wirksamkeit und Verträglichkeit zu belegen und mögliche Nebenwirkungen in der Gebrauchsinformation beschreiben zu können, müssen die Indikation, die empfohlene Dosierung und die vorgesehene Zieltierart für jedes Arzneimittel geprüft werden.

Nur wenn ein Tierarzneimittel für das Tier verträglich, für den Anwender (Tierarzt, Tierbesitzer) handhabbar und für die Umwelt und die Konsumenten von tierischen Lebensmitteln ungefährlich ist, kann es zugelassen werden.

Auch nach der Zulassung werden Tierarzneimittel weiter überprüft und bewertet. Mit einem Pharmakovigilanz-System, das das BVL überwacht und zur Risikobeurteilung auswertet, wird die Tiergesundheit, der Verbraucher- und Umweltschutz im Rahmen der Anwendung sichergestellt.

Gehen von einem zugelassenen Tierarzneimittel Risiken aus, die den Nutzen übersteigen, ergreift das BVL entsprechende Maßnahmen. Außerdem entscheidet das BVL über die Änderungen von bestehenden oder die Verlängerungen von befristeten Zulassungen.

Das DIMDI stellt über das Internet hochwertige Informationen für alle Bereiche des Gesundheitswesens zur Verfügung: Es entwickelt und betreibt datenbankgestützte Informationssysteme für Arzneimittel und Medizinprodukte und verantwortet ein Programm zur Bewertung gesundheitsrelevanter Verfahren und Technologien (Health Technology Assessment, HTA).

Das DIMDI ist Herausgeber amtlicher medizinischer Klassifikationen wie ICD-10-GM und OPS und pflegt medizinische Terminologien, Thesauri, Nomenklaturen und Kataloge (z. B. MeSH, UMDNS, Alpha-ID, LOINC, OID), die für die Gesundheitstelematik von Bedeutung sind.

Das DIMDI ermöglicht den Online-Zugriff auf seine Informationssysteme und über 60 Datenbanken aus der gesamten Medizin. Dafür entwickelt und pflegt es moderne Software-Anwendungen und betreibt ein eigenes Rechenzentrum.

Artikel kommentieren

Weitere Meldungen

Veti-Kalender 2019/2020

Jetzt Veti-Kalender 2019/2020 zum exklusiven Vorzugspreis bestellen

Der Veti-Kalender ist der Taschenkalender für Studierende und junge TierärztInnen.
Weiterlesen

Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)

BfR gewährt erstmals elektronische Akteneinsicht

Anfragende können zusammenfassende Stellungnahme zu Glyphosat aus dem Jahr 2015 im Internet einsehen
Weiterlesen

Hessen

Suizide verhindern helfen

Landesärztekammer Hessen engagiert sich im Bündnis "heilen & helfen" - Faltblatt zur Suizidprävention veröffentlicht
Weiterlesen

Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL)

Notfall-Zulassung für insektenschädliches Neonikotinoid Acetamiprid

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) erläutert die Notfallzulassung des Pflanzenschutzmittels Carnadine
Weiterlesen

Hessen

Landestierärztekammer Hessen begrüßt Exportstopp von Nutztieren in Drittländer

Das Hessische Ministerium für Umweltschutz, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz hat die Veterinärämter angewiesen, den Transport lebender, landwirtschaftlich genutzter Tiere in insgesamt 14 Länder des Nahen Ostens sowie Nordafrika nicht zu genehmigen
Weiterlesen

Pferde

Das West-Nil-Virus (WNV) ist in Deutschland angekommen

„Wir haben seit Jahren mit dem Auftreten des WNV in Deutschland gerechnet. Jetzt ist es so weit, und wir können nicht wirklich abschätzen, wie sich die Situation weiterentwickelt.“ So bewertet Professor Klaus Osterrieder, Direktor des Instituts für Virologie an der Freien Universität Berlin, die Situation
Weiterlesen