Mein Leben ist ein Ponyhof

(15.01.2021) Als ich klein war, mochte ich Ponyhofgeschichten. Okay, um ehrlich zu sein, mag ich sie immer noch. Ich habe auch schon von Tierärzten mit „Pferdemädcheneinstellung“ gehört. Eine Kolumne von Dr. Dominique Tordy.

Es war ein Traum, Tierärztin zu werden.

Gemeinsam mit den Frauchen und Herrchen – so dachte ich – kämpft der Tierarzt (m/w/d) heldenhaft gegen üble Krankheiten und rettet die geliebten Tiere. Dabei ist dies nur ein Teil unserer Arbeit...

Als ich klein war, mochte ich Ponyhofgeschichten. Okay, um ehrlich zu sein, mag ich sie immer noch.

Mit Ponyhofgeschichten verbinden viele Menschen eine unrealistisch heile Welt, deren Perfektion von den Protagonisten mühelos gegen kleine belanglose Problemchen verteidigt wird.

Und wirklich, da Ponyhofgeschichten meist für Kinder geschrieben werden, gehen sie in der Regel im Sinne der Pferdefreunde aus.

Daher stammt wohl auch der Spruch „Das Leben ist kein Ponyhof“, wenn die Dinge eben nicht so laufen, wie wir es uns wünschen.

Ich verbinde mit Ponyhofgeschichten weniger die heile Welt als einen hoffnungsvollen Idealismus, den die Pferdemädchen (ja, meistens sind sie weiblich) leben und der in unserer erwachsenen Welt nicht mehr allzu häufig vorkommt.

Beispielsweise geht es in einigen Ponyhofgeschichten um eine Schatzsuche.

Schatzsuche

Die Pferdekinder finden eine geheime Schatzkarte, ein antikes Buch oder eine alte Botschaft, die auf einen verborgenen Schatz hinweist. Daraufhin forschen sie, recherchieren und klappern mit ihren Pferden Wegpunkte ab.

Dabei haben sie immer den Schatz vor Augen, ohne zu wissen, ob es ihn wirklich gibt. Und in der Regel gibt es auch schon einen „guten Zweck“, für den der erhoffte Gewinn dringend gebraucht wird. Entweder muss der Ponyhof gerettet oder ein armes Tier von skrupellosen Pferdehändlern frei gekauft werden.

Wenn in den Geschichten jemand davon träumt, sich selbst durch den Schatz zu bereichern, dann ist es in der Regel entweder der böse Gegenspieler, der ebenfalls auf der Jagd nach dem Schatz ist, oder ein einziges unsympathische Kind, meist mit reichen Eltern, das aber in der Regel gegen Ende der Geschichte noch zum Guten bekehrt wird und die anderen bei ihrer Mission unterstützt.

In der realen Welt streben Menschen ebenfalls nach „Schätzen“. Nur bestehen diese nicht aus einer reich gefüllten Schatzkiste, sondern die Menschen äußern den Wunsch nach „passivem Einkommen“, einem Lottogewinn oder sie träumen von einer großen Erbschaft, die ihnen eine weit entfernte unbekannte Großtante vermacht.

Aber das Ziel der realen Menschen ist häufig unbegrenzte Freizeit, ein Luxusleben in einem riesigen Haus oder ein schicker Sportwagen. Kurz – die meisten träumen von persönlicher Bereicherung.

Das Ziel bei der Arbeit?

Liebe Kollegen, was ist Ihr Ziel bei der Arbeit? Viel Geld zu scheffeln? Das steht wohl bei keinem von uns im Vordergrund, sonst hätten wir wahrscheinlich längst die Branche gewechselt oder uns vielleicht schon zu Studienzeiten anders orientiert.

Wir finden immer wieder unsere Erfüllung darin, Tieren und anderen Menschen zu helfen. Die Ponyhofkinder wären stolz auf uns!

Interessanterweise können viele Menschen, Erwachsene aus der realen Welt, sich das so wenig vorstellen, dass einige uns sogar manchmal Geldgier unterstellen, wenn sie einfach nur die Rechnung nicht verstehen oder nicht verstehen wollen.

Vielleicht reicht das noch nicht, um das Ponyhof-Feeling in Ihnen aufkommen zu lassen?

Dann denken Sie doch mal an die beiden berühmtesten Pferdemädchen „Bibi und Tina“ aus der gleichnamigen Hörspielserie. Wenn sie Nachtwache bei den Pferden halten, weil gerade eines krank ist oder ein Fohlen erwartet wird – das könnten auch Tierarzt-Kollegen sein, die sich im Nachtdienst wach halten, Lappalien behandeln, unter anderem Zecken ziehen und Flöhe bekämpfen, immer bereit, ganz plötzlich für einen Hund mit Magendrehung oder einen Kaiserschnitt voll konzentriert alles zu geben und ein oder mehrere Leben zu retten.

Und erinnern Sie sich? Pferdemädchen werden in ihrer Leidenschaft für die Tiere einzutreten, oft frech gegenüber unsensiblen oder rücksichtslosen Tierhaltern und bekommen dafür regelmäßig Ärger von den „vernünftigen“ Erwachsenen.

Mal ehrlich - haben Sie sich noch nie einen ungerechtfertigten Google-Kommentar eingefangen, wenn Sie Tierhaltern, die ihren Tieren aus Eigennutz oder Trotz geschadet hatten, den Kopf gewaschen haben?

Wie die Ponyhof-Kinder kämpfen wir für die Tiere, so gut wir können. Und manchmal bringt das eben Ärger mit sich. Kein Grund, den Kopf hängen zu lassen.

Die Pferdemädcheneinstellung

Ich habe auch schon von Tierärzten mit „Pferdemädcheneinstellung“ gehört, die Hunde versteckt und Mikrochips entfernt haben, um die Vierbeiner zu retten. Zum Beispiel gibt es Menschen, die ihren Hund im Zweifel lieber einschläfern lassen würden, als ihn mit drei Beinen weiter leben zu lassen, weil ihnen der Anblick eines dreibeinigen Hundes missfällt.

Was würden Ponyhofkinder wohl in einer solchen Situation unternehmen?

Mein Leben ist ein Ponyhof, auch wenn nicht jede Geschichte so ausgeht, wie ich es mir wünsche. Und auch, wenn ich manchmal das Gefühl habe, dass einige Kunden mich lieber zum Pony machen, als einen ernstzunehmenden Mitstreiter in mir zu sehen. Dafür darf ich einen Idealismus leben, den ich nicht in jedem Beruf behalten dürfte.

Ich mag es, für das Gute zu einzutreten. Und mit Können und guten Freunden an meiner Seite kann ich doch ganz schön oft ein Happy End erkämpfen.

Ich wünsche Ihnen und auch mir noch ganz viele Geschichten mit ordentlichem Ponyhof-Happy End!


Sie fühlen sich davon angesprochen? Denken ähnlich? Oder sind ganz anderer Meinung? Schreiben Sie uns, was Sie bewegt!

PS: Kennen Sie auch schon die neuen Websites DOG ROYALZ und CAT ROYALZ, auf denen sich Hunde und Katzen als Mitglieder registrieren lassen können. Highlight dabei ist die tiermedizinische Notfalldatenbank.

Titelbild: beigestellt

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