Learned from the best!

(30.07.2020) Mir standen die Tränen in den Augen, als mir der nette Herr erklärte, dass ich meinen Liebling geschlagene sechs Tage abgeben sollte. Eine Kolumne von Dr. Dominique Tordy.

Es war ein Traum, Tierärztin zu werden.

Gemeinsam mit den Frauchen und Herrchen – so dachte ich – kämpft der Tierarzt (m/w/d) heldenhaft gegen üble Krankheiten und rettet die geliebten Tiere. Dabei ist dies nur ein Teil unserer Arbeit...

Diese Tage musste ich meinen Laptop abgeben. Einige Tasten waren kaputt gegangen und er und ich waren nun leider auf die Hilfe von Profis angewiesen.

Ich hatte es schon eine Weile hinausgezögert, aber mit den kaputten Tasten ging es einfach nicht weiter.

Jeder, der wie ich am Laptop arbeitet, Termine verwaltet, Geschäfte erledigt, sich digital fortbildet, seine Freundschaften pflegt und auch einige wichtige Alltagsfragen vom world wide web beantworten lässt, weiß, wie hart das sein kann.

Besonders schwer wird es, weil ich keinen anderen Computer mehr besitze, da mein kleiner Laptop nun einmal alles für mich macht.

Mir standen die Tränen in den Augen, als mir der nette Herr im Store freundlich, aber bestimmt erklärte, dass ich meinen Liebling geschlagene sechs (!!!) Tage abgeben sollte.

Das Entsetzen auf meinem Gesicht war keineswegs gespielt.

Und die Überraschung über meine eigenen Fähigkeiten, die sich in meiner Verzweiflung Bahn brachen, war genauso echt…

„Wiiiiieee lange wollen Sie uns trennen?!“

Ich reiße entsetzt die Augen auf.

„Das können Sie unmöglich von mir verlangen!“

Der Ausdruck von Entsetzen in meinem Gesicht weicht purer Panik.

„Meine Arbeit brauuucht mich!“, schluchze ich, während mein Blick anfängt zu flackern.

Nun nehme ich meinen Laptop auf den Arm.

„Das ist nicht nur ein Laptop, das ist mein Leeeeben!“

Verzweifelt drücke ich ihn an mich.

„Ich habe ihn noch nie einem Fremden anvertraut! Seit ich ihn habe, waren wir nie von einander getrennt!“

Ich starte noch einen letzten verzweifelten Versuch und frage:
„Und Sie sind sicher, dass es keine andere Möglichkeit gibt??“

Dabei schlage ich die Augen ergeben nieder.

Als der Mann stumm und bedauernd nach dem Computer greift, ziehe ich ihn nochmal zurück.

„Sie passen doch gut auf mein Baby auf?“

Dabei wird mein Blick nun flehentlich. Ich sehe ihm direkt in die Augen, suche nach einem Hinweis für seine Aufrichtigkeit.

Durch eine lange und harte Schule gegangen

Jeder, der schonmal in dieser Situation war, weiß genau, mein Kummer war echt. Ich bin aus verschiedenen Gründen regelrecht abhängig von dem kleinen Stück Technik.

Aber wie hätte sich die Situation entwickelt, wenn ich nicht durch eine lange und harte Schule gegangen wäre, bei der ich selbst oft genug unter schmerzendem Mitleid mit diversen Tier­haltern gelitten habe?

I learned from the best…

Auf Formulierungen wie „Der ist aus dem Tierschutz“, „Den habe ich mit der Hand aufgezogen“ und „Er war der Liebling meines verstorbenen Mannes“ konnte ich aus verständlichen Gründen nicht zurückgreifen.

Aber auch Techniker können einfühlsam sein. Ich hatte meinen Laptop am nächsten Tag in perfektem Zustand zurück.


Sie fühlen sich davon angesprochen? Denken ähnlich? Oder sind ganz anderer Meinung? Schreiben Sie uns, was Sie bewegt!

PS: Kennen Sie auch schon die neuen Websites DOG ROYALZ und CAT ROYALZ, auf denen sich Hunde und Katzen als Mitglieder registrieren lassen können. Highlight dabei ist die tiermedizinische Notfalldatenbank.

Titelbild: Sidney A. Tordy

Bisher erschienen:

Bildquelle: Sidney A. Tordy

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