Das schönste Kompliment

(22.10.2020) Ich mache gern Komplimente. Und in unserem Beruf ist das leichter als in den meisten anderen. Abgesehen davon bekomme ich auch selbst gern Komplimente – von meinen Patienten. Eine Kolumne von Dr. Dominique Tordy.

Es war ein Traum, Tierärztin zu werden.

Gemeinsam mit den Frauchen und Herrchen – so dachte ich – kämpft der Tierarzt (m/w/d) heldenhaft gegen üble Krankheiten und rettet die geliebten Tiere. Dabei ist dies nur ein Teil unserer Arbeit...


Entspannen Sie sich. Stellen Sie sich folgende Situation vor. Und fühlen Sie in sich hinein, wie es Ihnen dabei geht.

Ein gut aussehender Mensch sagt in freundlichem Ton zu Ihnen: „Deine Augen sind so schön wie die Sterne – ich brauche ab heute keine Sonne mehr!“

Wie geht es Ihnen dabei?

Ich persönlich kann so etwas schlecht ernst nehmen. Innerlich zucke ich mit den Schultern und frage mich beiläufig, wie viele Menschen das vorher aus demselben Mund gehört haben. Kein guter Gedanke.

Jetzt entspannen Sie sich abermals. Denken Sie sich in eine neue Situation hinein. Überlegen Sie, was die folgenden Worte in Ihnen auslösen: „Ohhh, du hast aber einen schönen Hund! Der sieht ja toll aus und hat sicher auch einen ganz besonderen Charakter!“

Das ist mal ein wundervolles und so ungeheuer angebrachtes Kompliment!

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht. Aber mein Körper und Geist reagieren wie auf Knopfdruck auf diese Worte:

Mir wird ausgesprochen warm ums Herz. Mein Körper entspannt sich. Automatisch schleicht sich ein Lächeln auf mein Gesicht. Manchmal flattern ein paar Schmetterlinge in meinem Bauch.

Gleichzeitig fühle ich mich gut aufgehoben. Mein Gegenüber und ich scheinen auf einer Wellenlänge zu liegen. Außerdem scheint der andere Mensch einen exquisiten Geschmack und einen ausgeprägten Sinn für das Wesentliche zu haben.

Der Tag wird augenblicklich schöner, weil es so tolle Menschen in meiner Nähe gibt.

Zuerst ein Kompliment

Vor einiger Zeit wurde mir geraten, jedem Kunden zuerst ein Kompliment zu machen, weil dies „das Eis brechen“ würde.

Also warum nicht ein wirklich wundervolles und auch ehrliches Kompliment machen?

Und das ist wirklich immer möglich!

Die Perserkatze der schwatzhaften Frau Meier ist perfekt gepflegt – die ideale Grundlage für ein Kompliment. Der lustige, freundliche Pudelmix lässt locker den aufdringlichen Zigarrettengeruch seines Herrchens vergessen. Auch hier fällt es nicht schwer, ein paar herzliche Worte zu finden. Und die zutrauliche, bunt gefleckte Ratte entschädigt für die pubertär abweisende Art des dazugehörigen Pärchens.

Ein Kompliment für den tierischen Patienten findet sich immer. Und für die meisten Menschen tatsächlich auch! Denn wenn man einmal darauf geeicht ist, das Positive zu sehen, wird es immer leichter, das jeweils passende Kompliment zu finden.

Frau Meier ist nicht nur schwatzhaft, sie würde alles für ihre Katze tun und ist unendlich dankbar, wenn ihr geholfen wird.

Das Pudel-Herrchen ist in einem gut gelüfteten Raum genauso lustig wie sein Hund und versteht es, herrlich zu schäkern.

Und das jugendliche Pärchen mit der Ratte zeigt fast kindliche Freude, als endlich jemand genauso verzückt von dem niedlichen Tier ist, wie die stolzen Halter es selbst sind.

Ich mache gern Komplimente. Und in unserem Beruf ist das leichter als in den meisten anderen.

Abgesehen davon bekomme ich auch selbst gern Komplimente, solange es keine plumpen, unpersönlichen Sprüche sind.

Im Gegenteil, die meisten Komplimente im Berufsalltag müssen noch nicht einmal ein direkt ausgesprochenes Lob sein. Ein Dank von Herzen, eine Empfehlung an Freunde oder eine Tafel Schokolade beim nächsten Besuch zeigen mir auch, dass ich meinen Job gut gemacht habe.

Die schönsten Komplimente

Aber die schönsten Komplimente bekomme ich tatsächlich von den Tieren. Sie können die Art Komplimente machen, die mich direkt ins Herz trifft.

Ein Hund, der sich im Behandlungsraum entspannen kann, macht mich glücklich, wenn er sich freiwillig und ohne Aufforderung hinlegt – nicht, weil er krank und geschwächt ist, sondern einfach, weil er sich trotz der ungewohnten Umgebung in meiner Nähe sicher fühlt. Wie könnte er besser oder ehrlicher sagen: „Ich halte dich für einen guten Menschen.“?

Genauso rührt mich eine Katze, die mir erlaubt, bei einer Lahmheitsuntersuchung ihre schmerzenden Beine abzutasten. Wie könnte sie mir ehrlicher zeigen: „Du scheinst zu wissen, was du machst, und bist so vorsichtig, dass ich dir vertraue.“?

Ohne Heuchelei, ohne Taktik, ohne Worte.

Die schönste Art ein Kompliment zu machen!


Sie fühlen sich davon angesprochen? Denken ähnlich? Oder sind ganz anderer Meinung? Schreiben Sie uns, was Sie bewegt!

PS: Kennen Sie auch schon die neuen Websites DOG ROYALZ und CAT ROYALZ, auf denen sich Hunde und Katzen als Mitglieder registrieren lassen können. Highlight dabei ist die tiermedizinische Notfalldatenbank.

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